Donnerstag, 3. Dezember 2015

Erdstrahlung und Wasseradern messen mit der Wünschelrute, die Lizenz zum Abzocken!


Manchmal ist es echt zum heulen, wie einfach es ist Menschen mit alten Legenden um ihr schwer verdientes Geld zu bringen. Durch die Veränderung der Medien in den letzten Jahren, braucht man nun nicht mehr Kunden an Haustüren anzubetteln, sondern lauert diese irgendwo im Internet auf. Mit dubiosen schlauklingenden Fakten, fragwürdigen Behauptungen und vermeintlich wissenschaftlichen Erklärungen versucht man quasi aus der Ferne, Menschen auf sanfte Weise zu verblöden. Das offenbar mit Erfolg!

Dies trifft ganz besonders auf die Branche der Wünschelrutengeher zu. Eigentlich grenzt es an Humor, mit welchen Erklärungen der Begriff Erdstrahlung auf den einschlägigen Webseiten verlogen wird. Nicht selten verweist man dabei auf die Ausführungen eines Herrn Kopschina, der in seinen Büchern über Erdstrahlen und Wünschelrutengehen Beweise anführt, die jedem halbwegs Bewanderten die Lachtränen in die Augen treiben. So behauptet er doch felsenfest, dass die ach so gefährliche Erdstrahlung, eine Neutronen oder Wellenstrahlung ist. Klingt schlau oder? Doch wenn dem so wäre, müsste man diese Strahlung auch mit handelsüblichen Messgeräten nachweisen können. Das gibt Herr Kopschina sogar zu, er schreibt, dass man Erdstrahlung mit einem Magnetometer, Infrarotmesser, einer Radonmessung nach Herbst oder einem UKW-Feldstärkemeßgerät feststellen kann (siehe dessen Buch "Erdstrahlen", Seite 78). Die Frequenz spielt jedoch laut seiner Erklärung, gar keine Rolle! Sicherlich schindet er mit diesem Blödsinn bei einem Laien Eindruck, denn der merkt ja nicht, dass gerade ein angeblich gebildeter Mensch behauptet, dass die bedrohliche Erdstrahlung nicht nur magnetisch, sondern gleichzeitig auch radioaktiv ist und aus Licht besteht. Eine Strahlung die sich nicht über ihre Frequenz definiert, wäre dann wohl eine Welle, die gleichzeitig eine Gerade und einen Kreis beschreibt. Warum hat sich bislang kein Wissenschaftler mit dieser hoch interessanten Strahlung auseinandersetzt? Egal! Hauptsache ist doch, dass es Leute gibt die mit Hilfe einer Wünschelrute sämtliche Strahlungen der Erde (daher wohl der Name Erdstrahlen?) aufspüren können. Und ich Idiot habe vierstellige Beträge für kalibrierte Messgeräte ausgegeben. Herr Kopschina verkauft dafür Kork, der Erdstrahlungen abhält! Durch Metalle, Beton, Holz und Gestein geht Erdstrahlung also durch, aber luschiger Kork macht ihr den Garaus! Hut ab, für diese simple Abzockmaschine!


Wünschelrute, das kompletteste Messgerät der Welt! Das Wirkungsprinzip von Wünschelruten liegt in einem Reflex des Körpers, der quasi als Antenne für Bösartigkeiten fungiert. Diesen Reflex gibt es tatsächlich und ist sogar wissenschaftlich belegt. Daher ist es auch völlig egal, was man für eine Wünschelrute wählt, bzw. aus welchem Material sie besteht. Sie dient lediglich als Anzeiger einer Körperreaktion. Doch woher weiß denn der Rutengänger auf was ihr Körper da so reagiert? Dazu muss der Rutengänger in eine Art Konversation mit der Wünschelrute treten und diese befragen. Das ist kein Witz, sondern absolute Realität des Wünschelrutengängerdaseins. Die Befragung der Wünschelrute ist das eigentliche Wirkprinzip dieses spannenden Messgerätes! Daher gehört die Wünschelrute den Bereich der Parawissenschaften.


Eine Million Dollar warten seit 1964 in Florida bei der James Randi Education Foundation auf den Menschen, der solche Fähigkeiten besitzt und diese in einen einfachen Test nachweisen kann. Für den der sich traut, kann dieser Beweis auch in Deutschland an der Würzburger Uni durchgeführt werden. Doch weder Kopschina noch einer der etwa Zehntausend Wünschelrutengänger im Land ist offenbar scharf auf das Geld! Auch im Fernsehen hat man in den Sendungen „Wunderwelt Wissen“ und „Galileo“ die besten Wünschelrutengänger antreten lassen, doch die Ergebnisse waren so niederschmetternd, dass die Testpersonen vor Peinlichkeit fast in den Erdboden versunken wären. Selbst die deutsche Regierung hat vor gut 30 Jahren paar Hunderttausend Mark für die Forschung an der Wünschelrute locker gemacht. Doch alle diesbezüglichen Tests lagen immer nur im Bereich des Zufalls.


Trotz dieser Tatsachen machen Wünschelrutengänger gute Geschäfte im Land. Besonders wenn sie dem "Bundesverband der Rutengänger" angehören und sich somit als „seriös“ verkaufen wollen. Für gut 300 € finden diese bei jedem Kunden eine Wasserader, dazu meistens sogar noch Elektrosmog, jedoch ohne jegliche Beweise oder gar Fingerabdrücke zu hinterlassen. Anschließend verkauft man den betroffenen Menschen auch noch Absorber, Heilsteine, Magnetmatrazen oder Korkteppiche, welche diese angeblich wieder gesund machen sollen. Das funktioniert bei den meisten Leuten sogar anfänglich, sie fühlen sich tatsächlich besser, ein Hoch auf den Placeboeffekt. Der funktioniert immer dann besonders gut, wenn man mal locker 600 – 800 € für sinnfreie Dinge ausgegeben hat. Wer will sich schon eingestehen auf einen Abzocker hereingefallen zu sein. So wird der Mythos Wünschelrute lebendig gehalten und fleißig Kasse gemacht. Dieser Mythos ist bereits in manchen Menschen soweit verankert, dass sie sich lieber einem Wünschelrutengänger anvertrauen, als sich von einem wissenschaftlich geprüften Fachmann aufklären zu lassen. Viele klammern sich geradezu fanatisch an die Vorstellung Opfer einer Wasserader zu sein, die als Ursache für vermeintliche Beschwerden bei ihnen herhalten muss.

Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Bergmann und fragte ihn, wie viele Wasseradern er schon im Leben gesehen hat, schließlich er müsste es ja wissen! Über die Frage musste er kräftig lachen und erklärte mir, dass das Grundwasser in der Erde nicht die Form eines Flusses oder einer Ader hat, sondern eines Meeres, es ist überall gleichmäßig verteilt. Wasseradern wie sie von Wünschelrutengängern beschrieben werden, kann es nicht geben, weil Wasser immer nach unten fließt. Höchstens in Gebirgen zwischen felsigen Gestein, sind Erdformationen möglich, die man als Ader bezeichnen könnte. Daraufhin fragte ich ihn, wie ist es denn dann möglich, dass Rutengänger einen Brunnen in Nachbars Garten finden konnten? Da grinste er nur und fragte: Hat denn der Nachbar ein zweites Loch am anderen Ende des Grundstückes gegraben und getestet, wie hoch der Grundwasserspiegel dort war? Auf gut deutsch: Die Brunnensuche eines Wünschelrutengängers ist immer dann erfolgreich, wenn keiner nachprüft, ob nicht sogar das ganze Grundstück zum Brunnen taugt! 

Nun stellt sich natürlich die Frage, wenn Wünschelrutengänger alles Scharlatane sind, warum dürfen die in Deutschland „praktizieren“? Die Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Warum dürfen Astrologen, Kartenleger und die ganze esoterische Branche Millionen verdienen? Weil es Menschen gibt, die daran glauben! Das ist nicht verboten.  Die Kunden kaufen die Dienstleistung und die sinnfreien überteuerten Produkte freiwillig. Da es für die Messung von Erdstrahlen kein Messprotokoll, Gutachten oder sonstige schriftliche Dokumentation von Rutengängern gibt, kann man im Nachhinein auch nichts beweisen. Der Rutengänger ist damit immer auf der richtigen Seite, wenn er seinen Blödsinn verschachert.
 

Offenbar ist es nicht schwer Menschen durch Erdstrahlen zu manipulieren. Konfrontiert man Wünschelrutengeher mit ihren widersprüchlichen Erkenntnissen über Wasseradern und Erdstrahlen, wehren diese schnell ab und stellen die gesamte Wissenschaft in Frage. Es gibt halt Dinge, welche die Wissenschaft nicht erklären kann! Das stimmt, doch die Wissenschaft hat ja schon erklärt, dass es weder Erdstrahlung noch Wasseradern in der Form gibt, wie Rutengeher sie uns vorlügen. Diese fordern jedoch Gegenbeweise. Dinge die gar nicht existieren, lassen sich nun mal nicht beweisen. Eine Ausnahme machen Wünschelrutengänger dann wenn sie krank und operiert werden müssen. Dann ist ihnen die Wissenschaft wiederum ein Segen. Auch wenn für die Ursache der Krankheit, die gute alte Wasserader herhalten muss.

Sonntag, 28. März 2010

Elektrosmog, DECT Strahlung und Co - Panikmache oder Wahrheit ?

Da steht es schon wieder in der Zeitung, Handystrahlung macht Pampe im Gehirn. Solche Berichte sorgen bei vielen Menschen für ein schlechtes Gewissen oder machen zumindest ein ungutes Bauchgefühl, wenn man diese Tatsachen versucht zu ignorieren. Doch was ist dran an diesem Gerede? In meiner Arbeit als Messtechniker hab ich mich auf Messungen solcher Strahlungen spezialisiert und unzählige davon durchgeführt. Meine Meinung dazu: Liebe Leute, schmeißt eure Handys nicht weg, sondern gebt sie mir! Nein, mal Spaß beiseite, wenden wir uns mal ganz trockenen physikalischen Fakten zu: 1. Ja, Elektrosmog ist gefährlich! Das ist erwiesen! 2. Eure Handys sind es allerdings nicht, denn hochfrequente elektromagnetische Strahlung kann nur von etwas erzeugt werden, was sendet. Ein Handy sendet aber nur beim telefonieren, ansonsten ist es ein reiner Empfänger. Das bedeutet, das Handy in der Hosentasche kann niemanden impotent machen oder mit irgendwelcher Strahlung den Po straffen. Wer allerdings stundenlang damit telefoniert, kann schon mal einen Satz warme Ohren bekommen. Doch die meisten nutzen ihr Handy doch nur noch zum spielen oder simsen. An sich ist ein Handy ungefährlich, das sagt aber nichts über die Strahlung aus, die das Handy empfängt. Überall schön gleichmäßig verteilt im Land finden wir heutzutage Mobilfunkmasten, die uns Freunde und Bekannte von nahezu überall auf der ganzen Welt in unsere Jacken- oder Hosentasche zaubern können. Umso weiter man sich von so einem Mast entfernt, um so schlechter ist der Empfang. Demzufolge bedeutet das aber umgekehrt, dass die Strahlung dieser Masten höher ist, umso näher man sich an einem dieser befindet. Und genau hier liegt der Hund begraben. Wir umweltbewussten Deutschen, glauben natürlich sofort, dass es da gewiss Bestimmungen und Grenzwerte gibt, die uns vor böse und viel zu hohe Strahlungen schützen. Der Grenzwert dieser Strahlungen liegt in Deutschland bei 9000 m W/m². Wissenschaftler, Experten und die WHO empfiehlt allerdings einen Grenzwert von max. 100 mW/m². Russlands Grenzwert liegt sogar nur bei 20 mW/m². Nun kann man sich fragen, warum ist der Deutsche Grenzwert 450 mal höher als der Russische? Man sollte wissen 9000 m W/m² sind so hoch das die so gut wie nie erreicht werden können. Erklären lässt sich das ganz einfach: schaut euch doch mal an welche Politiker in den Vorständen der Mobilfunkunternehmen so sitzen, dann wisst ihr die Antwort. Darüber hinaus werden regelmäßig Studien veröffentlicht die belegen, dass Elektrosmog gar nicht schädlich ist. Schaut man dann genauer hin wer diese Studien in Auftrag gegeben und bezahlt hat fällt auf, dass diese stets nach Telekom und EON riechen. Da die Politik daran fleißig mitverdient, hält sie brav das Maul. Die 3500 ehemaligen Bundeswehrsoldaten die regelmäßig an Radaranlagen gearbeitet haben und schwer strahlengeschädigt sind, verschweigt man gerne, zumal ihnen dies sogar als Berufskrankheit anerkannt wurde. Doch wie kann man denn davon krank werden, wenn hochdosierte elektromagnetische Strahlung gar nicht gefährlich ist? Berufskrankheit ? Kurze Erklärung: Radarstrahlung unterscheidet sich lediglich in der Wellenlänge von der Handystrahlung und ist eine Form von hochfrequenten Elektrosmog. Russland und einige andere ehm. Ostblockstaaten sind da schon etwas weiter, denn die kennen genau die Folgen die von hochfrequenten elektromagnetischen Strahlungen ausgehen. Die haben diese sogar als Waffe eingesetzt und erforscht. Daher wundert es nicht, warum der russische Grenzwert so niedrig ist. Obwohl die Ergebnisse dieser Erkenntnisse bekannt sind, ignoriert man diese Tatsachen in Deutschland fleißig. Allerdings ist es nicht fair jetzt auf die Mobilfunkbetreiber in Deutschland draufzuhauen. Auch diese unternehmen Anstrengungen die Strahlungen zu reduzieren. Beispielsweise fällt mir bei meinen Messungen auf, dass die Strahlungen für UMTS sich stark an der EU Empfehlung orientieren. Also findet auch hier ein Umdenken statt. Wahrscheinlich aber auch nur weil Elektrosmog ja sowieso überhaupt gar nicht gefährlich ist.....
Doch dabei ist diese Form von Handystrahlung ja nur das kleinere übel. Heutzutage besitzt doch fast jeder ein schnurloses DECT Festnetztelefon. Wer sich seit Jahren wundert warum das schlafen so schwer fällt, deswegen sämtliche Ärzte genervt hat, wahrscheinlich sogar schon Psychopharmaka schluckt, sollte sich mal genauer sein Telefon anschauen. Wenn es noch aus den Jahren vor 2008 stammt, sendet die Ladestation rund um die Uhr ein kräftiges gepulstes (mehrmals in einer Sekunde) Signal, selbst wenn das Telefon auf der Ladestation liegt. Zusammen mit dem Telefon des Nachbarn, dazu noch eine Prise WLan kommt schon so einiges an Strahlensuppe zustande. Wenn dann noch beim Schlafengehen die Nachtischlampe oder das Kabel dieser in 30 cm vom Kopf entfernt liegt, kommt noch ein kräftige Portion niederfequente elektrische und magnetische Strahlung dazu. Diese Suppe darf dann das Hirn mit seinen 10000-fach niedrigeren Hirnströmen die ganze Nacht ausbaden. Das gibt schöne Alpträume und dem Körper eine anstrengende Nacht, wo der sich doch eigentlich gerade jetzt erholen sollte. Deshalb sind seit 2009 nur noch DECT 2 Telefone erlaubt, nur wissen tut es kaum einer. Die Strahlen weit weniger, bzw. gar nicht wenn das Telefon auf der Station liegt. Das hat man 2007 so beschlossen, obwohl Elektrosmog gar nicht gefährlich ist.
Was lernen wir daraus? Wer Elektrosmog ignoriert fragt sich spätestens wenn er schwer erkrankt, ob nicht doch etwas an dem Gerede über Elektrosmog dran war. Wer in Panik alles was nach Elektrosmog aussieht aus dem Fenster wirft, sollte weiter Psychopharmaka nehmen. Die Wahrheit liegt dazwischen. Wer versucht die Strahlungen ernst zu nehmen, im Alltag da wo es möglich ist etwas zu reduzieren, der hat zumindest ein Recht auf ein Gutes Gewissen, dass ihn besser schlafen lässt.